Kommt Zeit, kommt…

Montag, den 30. Juli 2007

“Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Familie” - diese Überschrift dürfte einigen bekannt vorkommen. Aber vielleicht ist sie ja bald angebracht. Doch dazu später mehr.

Der Tag beginnt für mich heute um drei Minuten vor neun. Ich wache auf und überlege, wie spät es wohl sei. Im Haus ist es ruhig, ich höre nur die Heizung. Und meinen Heizlüfter, den ich angeschaltet habe, als ich zuvor kurz aufgewacht bin. Ich schließe daraus, dass es noch früh sein muss.
Als dann aber der Wecker klingelt und ich aufstehe - und merke, dass die Zimmer leer sind -, wird mir klar, dass mein Schlaf doch recht tief gewesen sein muss.

Als erste Amtshandlung an diesem Morgen, noch bevor ich über Frühstück nachdenke, versorge ich meinen Computer mit Strom und Internet. Dann versorge ich mich selbst mit Toast und Erdnussbutter, die richtig gut schmeckt, weil ich keine Butter benutze und die Toasts nach dem Auftoasten (sind sie doch aus dem Gefrierfach) auskühlen lasse.
Ich lasse die Katze in den Garten und auf der Suche nach dem Hund fällt mir auf, dass ich doch nicht allein im Haus bin, Jol liegt in Charlottes Bett und schläft. Es ist spät, ich vermute, sie ist krank.

Charlottes Katze

Den restlichen Vormittag und auch den Mittag verbringe ich am Computer. Bei eBay ersteigere ich ein Handy, das 6310i - ein Businessmodell von Nokia. Ganz ausgezeichnetes Modell, ich kenne drei Leute, die es besitzen und es in den höchsten Tönen loben. Und mit Versand (Express wohlgemerkt - aber das entspricht dem deutschen Standardversand) hier in Australien immer noch günstiger als in Deutschland ohne.

Um zwanzig vor eins vibriert mein Handy. Es ist Charlotte. Sie würde heute gegen viertel vor sechs nach Hause kommen, wir hätten nämlich um halb sieben einen Termin. Verschiedene Gastfamilien hätten sich gefunden - zwei in Echuca , eine in Shepparton und eine oder zwei weitere in Orten, deren Namen man erst auswendiglernen muss. Heute Abend würden wir der Familie hier in Shepparton einen Besuch abstatten.
Und sie spricht noch mit Jol und fragt, ob sie zu dem Vorbereitungstreffen für die Schulaufführung geht.

Als lunch ist heute Karottensuppe mit Brot (etwas dunkleres Toast) im Angebot. Das Brot im Toaster aufgewärmt und anschließend im Kühlschrank auf die richtige Temperatur gebracht. Ökonomischer Unsinn und Ressourcenverschwendung, aber halt bequem.

Ich hänge Wäsche auf die Leine und räume das Geschirr in den Schrank. Dann kommt Rush nach Hause und ich räume meinen Laptop weg. Ich gönne mir ein Nickerchen.
Als ich wieder aufwache, möchte mir Rush auf YouTube den Anfang von Las Vegas zeigen. Die ersten zehn Minuten hat dort jemand online gestellt, die Serie selbst startet in ein paar Tagen. Oder kommt vielmehr zurück.
Um halb sechs werden die beiden zu einer Probe für die Schulaufführung abgeholt. Und ich merke, wie ich langsam mit der Dusche besser zurechtkomme: Ich merke mir die Positionen für die zwei Hähne.
Im Fernsehen sehe ich in den Nachrichten, dass es doch einige Leute gibt, die Weihnachten im Juli feiern. Kuriose Sache, die auch in der englischen Wikipedia nachzulesen ist.

Dann kommt Charlotte nach Hause und wir fahren zu der potentiellen Gastfamilie hier in Shepparton. Das erste, was ich im Wohnzimmer bemerke, ist der Laptop auf dem Tisch. Er heißt Allan und hat zwei Töchter (5 und 8 Jahre), sie heißt Michelle. Der Sohn der beiden geht in die 8. Klasse. Es ist warm im Haus und draußen bellt ein Hund. Ich wäre der erste Austauschschüler in der Familie. Allan ist übrigens Feuerwehrmann. Charlotte und ich führen ein ausführliches Gespräch mit der Familie und die beiden behalten den Fragebogen für Gastfamilien da, um ihn über Nacht auszufüllen. Die beiden werden eine Nacht über die Entscheidung schlafen und sich dann wieder bei Charlotte melden.

Auf dem Weg zurück frage ich Charlotte, ob einer der beiden raucht. Michelle würde rauchen, sagt sie. Aber wir haben beide im Haus nichts gerochen. Klingt noch so gerade akzeptabel, auch wenn ich mich innerlich irgendwo dagegen sträube.
Zu Hause gehe ich noch einmal in ICQ online und genieße ein wenig Mousse au Chocolat. Charlotte friert noch ein wenig Hack aus. Und als ich um zehn nach neun Big Brother nicht mehr sehen kann, gehe ich ins Bett.

Reallife-QSO

Samstag, den 28. Juli 2007

Heute geht es früh(er) raus: Um acht Uhr stehe ich auf, damit Charlotte mich auch rechtzeitig um neun zu Jerren, dem Funkamateur fahren kann.
Als ich frühstücke teilt mir Charlotte allerdings mit, dass sie Grant zur Arbeit fahren müsse. Dann würde sie noch exercises machen und mich im Anschluss aufpicken. Mir ist noch nicht so ganz klar, was genau ich darunter zu verstehen habe. Ich weiß aber, was es für mich bedeutet: Ein wenig Computer, bis sie wiederkommt. Ich lese auf der Website des lokalen Amateurfunkortsverbandes, dass jeden Sonntag um halb acht Uhr abends der Rundspruch der WIA verlesen wird und montags um die selbe Zeit die Amateurfunk newsline aus den USA. Und aus meiner Heimat erfahre ich, dass das Relais DB0OSN in Osnabrück über eine Echolink-Anbindung verfügt. Klingt nach einem Draht nach Hause.
Dann versorgt mich Rush noch mit etwas Musik und als Charlotte wieder zu Hause ist, gestalte ich für sie einen Flyer, der nach einer Gastfamilie für mich suchen soll. Gegen 10 Uhr möchte sie wieder los, wir fahren allerdings zunächst zur Bibliothek, wo Charlotte (verflixt viele) Kopien des Flyers macht, dann fährt sie mich zu Jerren.
Von seiner Arbeit weiß ich nur, dass er gegenüber von McDonalds und der Feuerwehr arbeitet. Die Straße finden wir sofort und nachdem auch unser Auto einen Platz hat, suchen wir die Hausnummer. Ich erwarte irgendetwas alltägliches. Einen Elektronikladen, was auch immer. Aber keinen Juwellier.
Rush und Jol bleiben im vorderen Bereich des Ladens (Charlotte hegt Zweifel daran, dass sonst alles heile bliebe), während Charlotte noch ein wenig Smalltalk mit Jerren hält und ihm einen der Flyer überreicht. Dann geht sie wieder und lässt mich mit Jerren alleine; er wird mich später zu Hause absetzen. Nicht ganz alleine allerdings, seine älteste Tochter sitzt im hinteren Bereich des Ladens und erledigt Mathematik- und Chemiehausaufgaben. Viertel vor elf. Jerren zeigt mir ein Funkgerät, dass er im Laden stehen hat. CB-Funk, um eine einfache Verbindung in sein Haus zu haben.
Später kommt seine Frau vorbei, Berenice. Gegen 14 Uhr schließen die beiden den Laden. Ein wenig später als erwartet, denn im Moment wird gerade das Schaufenster umgebaut und solange die Werkzeuge im vorderen Bereich des Ladens stehen, kann das Gitter nicht heruntergelassen werden. Jerren und Berenice räumen die Auslagen in den Tresor, während ich mit den beiden anderen Töchtern etwas zu Trinken für das Mittagessen einkaufe. Die jüngere ist im achten Jahrgang, die ältere studiert in Melbourne und ist nur diesen Tag da; sie fährt morgen um sechs Uhr zurück.
Als wir auf den Parkplatz kommen, gibt es eine kleine Überraschung: Sie fährt einen Käfer. Es ist schon komisch; wir schreiben das Jahr 2007, ich bin am anderen Ende der Welt und - ich fahre zum ersten Mal in einem Käfer…
Im Supermarkt fragen mich die drei, wie man “Ferrero Küsschen” ausspricht und weder ich noch mein Wörterbuch wissen die Übersetzung für Verniedlichungsform oder Verkleinerungsform. Wir holen noch ein Video aus der Videothek - für 50 Cent…

Dann fahren wir zu Jerren nach Hause, es ist ein anderes als das, was ich vor ein paar Tagen als das vermutliche Heim Jerrens ausgemacht habe. Und dort steht ein weiterer Käfer. Und eine Motorhaube auf einem Anhänger, die eine Beule bekommt, als der Haustürschlüssel auf ihr landet. Aber das macht nichts, schließlich hat diese Motorhaube schon schlimmeres erlebt; die älteste der drei hatte vor einiger Zeit einen Disput mit irgendetwas, was augenscheinlich stärker war als ihr Auto.

Auf dem Dach sind so einige Antennen, soweit ich das in der langsam einsetzenden Dämmerungen ausmachen kann. Wir gehen ins Haus und gucken den Film Hot Fuzz, den wir auf dem Nachhauseweg noch aus der Videothek mitgebracht haben. Das Haus ist groß und warm, obgleich mir keine Heizungen auffallen (vielleicht eine Fußbodenheizung?). Mir ist nicht kalt, obwohl ich nur Socken trage.
Nur wenige Minuten später kommen Jerren und seine Frau nach Hause und bringen Pizza mit. Interessante Geschmacksrichtungen, eine ist mir absolut unbekannt, auf einer anderen Pizza kann ich zumindest den Schinken identifieren. Um fünf schickt mir Charlotte eine SMS: “R u coming home for t” und ich antworte ihr, dass ich gerne noch etwas bleiben würde - “Ok, just b home before midnight if u need a ride give me a ring”. Das ist doch mal nett.

Als der Film zu Ende ist, zeigt mir Jerren seinen Shack, vollgestopft mit Transceivern und blinkenden Routern (inklusive Wireless-LAN). Und er hat mir Informationen über einen günstigen Internetzugang und über den Mobilfunkprovider iSIM, der deutlich günstiger ist als Telstra.
Und er zeigt mir einige Fotos, unter anderem von Pferden, die unweit von Charlottes Haus auf einer Weide stehen. Dann bittet er mich nach draußen und zeigt mir, was in der Garage steht: Noch ein deutsches Auto, ein BMW. Faszinierend. Ach - und ganz nebenbei: Das Waschbecken im Bad ziert nur ein Hahn anstelle von zweien.
Die Techniksession unterbreche ich für einige Minuten, um mit den Mädchen Tischtennis zu spielen und mich mit der ältesten von ihnen über Fernsehserien zu unterhalten. Und ich hole mit ihr die mittlere Tochter von einer Party ab. Als sie mich fragt, was für Musik ich höre, fallen mir nur zwei Bands ein. Sie vermutet, ich höre Britney Spears und obwohl ich protestiere, wird das wohl für immer irgendwo in ihrem Gedächtnis verbleiben.
Bei eBay gucke ich mich ein wenig nach einem Handy um und finde einen australischen Händler, der das 6310i für 160 australische Dollar anbietet. Zwischendurch gibt es noch Pudding mit Reis. Von Dr. Oetker.

Um zehn Uhr fährt mich die mittlere Tochter, die, wie ich mir mittlerweile gemerkt habe, Cathleen heißt, nach Hause. Sie hat noch keinen Führerschein, sondern nur learners permit, vergleichbar ungefähr mit dem “Führerschein ab 17″ in einigen deutschen Bundesländern und so quetschen vier uns zu viert (Jerren, Berenice, Cathleen und ich) in einen der Käfer. Das mit dem Zurücksetzen sollte sie vielleicht noch einmal üben, als wir aus der Ausfahrt draußen waren, konnte man auch ohne gutes Augenmaß einen seitlichen Versatz von einem guten Meter ausmachen. Wäre sie geradeaus wieder in Richtung Haus gefahren, hätte sie zwangsläufig einen nicht unerheblichen Teil des Gartenzaunes mitgenommen.

Als wir zu Hause ankommen, öffne ich die Haustür. Grant und Charlotte sitzen auf dem Sofa und schauen Fernsehen. Die Tür hätte gar nicht offen sein sollen, wie man mir mitteilt. Anscheinend war da jemand beim Sparzierengehen mit dem Hund ein wenig vergesslich. Ich bedanke mich bei Jerren und bitte ihn auch, seiner Frau einen Dank für das Essen auszurichten.
Das Puzzle auf dem Tisch ist fertig, aber Charlotte hat noch ein neues. Rush kommt aus ihrem Zimmer und die beiden puzzeln, während ich meine E-Mails checke und Charlotte zeige, wo Jerren wohnt und was ein Käfer ist. Und dann gehts ab ins Bett

Regen

Donnerstag, den 26. Juli 2007

Das erste, was ich heute Morgen bemerke, ist Regen und dieses vertraute, beruhigende Gefühl von Regentropfen, die auf das Hausdach prasseln und vor allem die Gewissheit, nicht nach draußen gehen zu müssen, um Kälber zu füttern.
Ich stehe kurz nach halb zehn auf, esse zwei Toasts zum Frühstück. Eines mit Butter und Salz (die Margarine light ist nämlich ungesalzen), das andere mit Honig, der irgendwie merkwürdig schmeckt. Die Konsistenz stimmt, die Süße auch, schlecht ist er ebenfalls nicht, soweit ich das beurteilen kann, vielleicht ist es einfach eine komische Sorte. Das Etikett verrät mir das nicht, da stferneht nur “Honey” und - anscheinend ganz wichtig - “Pure”. Haben die hier auch Honig, der nicht “Pure” ist?

Das Fernsehprogramm gibt nicht viel her, deshalb lege ich mich aufs Sofa und lese weiter in “Tomorrow, When the War Began”. Nur Charlotte ist zu Hause, ich sehe sie nur einmal kurz, als das Telefon klingelt, dann entschwindet sie wieder. Aus dem Schlafzimmer erklingt noch immer die Stimme der selben Sprecherin des selben Hörbuches, die auf die Entfernung jegliche Melodie verliert und zu einem monotonen Einheitsgemurmel wird.

Um kurz nach elf kommt Charlotte wieder ins Wohnzimmer, ohrenscheinlich ist das Hörbuch zu Ende. Sie macht sich etwas zu Essen und regt an, dass wir ja mal in der Bücherei nach Schulbüchern gucken könnten. Und fragt, ob ich mir vielleicht ein paar Filme ausleihen wollte. Ich verneine und erzähle ihr, dass ich noch Filme auf einer meiner externen Festplatten hätte.
Charlotte entschwindet wieder in Richtung Schlafzimmer, biegt aber in Jols Zimmer ab und kommt dann zurück. Mit meinem Laptop! Ich bin ein wenig überrascht, sagt mir doch mein Countdown auf dem Palm, dass es noch 15 Tage und knapp acht Stunden sind, bis die drei Wochen um sind. Vielleicht ist das ja Hafterleichterung wegen guter Führung - oder einfach eine Stauchung der Zeitachse in Anbetracht des mehr und mehr abzusehenden Umzuges. Wenn ich tagsüber so herumsäße, dürfe ich den Laptop benutzen, abends, wenn die Kinder da sind, möge sie das nicht.
Ich lade die Fotos von meiner Kamera auf den Computer und füge einige Blogeinträge von Laptop und PDA zusammen. Dann speichere ich alles, was für meinen Blog bestimmt ist, auf meinem MP3-Player, um es später von einem anderen Computer aus hochzuladen.
Als alles erledigt ist, was man an einem Laptop ohne wirkliches Anliegen und vor allem ohne Internet so erledigen kann, gucke ich einen Film: “Nur ein kleines bisschen schwanger”, vor ein paar Wochen von mir aus dem Fernsehen aufgenommen.

Später zeigt mir Charlotte auf einer großen Karte, wo ihr Elternhaus steht: In der Nähe eines Ortes namens Balranald, direkt dortm wo sich der Sturt Hwy mit einer anderen Straße schneidet.
Als Charlotte später telefoniert, realisiere ich zum ersten Mal, dass die Jill, die ich in Australien kennengelernt habe, die selbe ist wie die, mit der ich vorher telefoniert habe und bin innerlich ein wenig erstaunt darüber. Diese Querverbindung war bislang einfach nicht aufgekommen.
Als Charlotte dann noch einmal außer Haus muss, suche ich noch andere Orte auf der Karte, um ein wenig Orientierung zu bekommen (Und ja, Goonellabah gehört auch dazu). Danach sitze ich noch ein wenig am Computer. So langsam trudeln dann auch die anderen Familienmitglieder ein, zuerst Rush und Jol, später auch Grant.
Als Charlotte wiederkommt, fahren wir einkaufen. Erst zu ALDI, wo ich mir ein wenig Süßes (oder vielmehr Salziges) gönne und feststelle, dass hier in Australien sowohl Pommes Frites als auch Kartoffelchips beide chips heißen. Dann noch zu IGA, wo Charlotte all das kauft, was sie noch nicht gefunden hat. Und wo sie ein halbes Dutzend Leute (darunter die Kassiererin!) anspricht, ob sie mich nicht aufnehmen wollten oder jemanden kennen würden… Komisches Gefühl, danebenzustehen.

Abends lese ich weiter in meinem Buch (was im Fernsehen läuft, brauche ich wohl nicht weiter zu erwähnen, oder?). Und ich drehe mit Grant eine Runde mit dem Hund. Und dann gehe ich ins Bett.

Chillout

Mittwoch, den 25. Juli 2007

Da wir noch immer keine Antwort von der Schule haben, ist heute ein weiterer Chillout-Day. Ich beginne ihn mit sieben, acht Stunden Schlaf, stehe aber erst um viertel vor zehn auf.
Das Haus ist wie leergefegt, Grant ist arbeiten, Rush und Jol in der Schule, Charlotte räumt das Schlafzimmer auf.
Am Vormittag telefoniert sie mit Southern Cross und fragt nach, ob es schon etwas Neues zur Schule gibt. Sie sagt, dass sie ja normalerweise nicht drängeln würde, aber es sei sicher einfacher, mich zu vermitteln, wenn ich bereits in einer Schule wäre.
Charlotte fährt los zu einem Termin und ich mache mich, mit einem Stadtplan bewaffnet, auf den Weg zum nächsten post office. Es ist in einem etwas größeren Kiosk untergebracht, etwa zehn bis fünfzehn Minuten zu Fuß entfernt. Ich besorge mir eine money order, quasi einen Scheck - nur, dass das Geld nicht von meinem Konto kommt, sondern von mir direkt bezahlt wird. Dafür möchte der freundliche Herr auf der anderen Seite des Tresens gerne drei Dollar fünfzig Gebühren haben, der bereits frankierte Briefumschlag kostet mich sechzig Cent.
Auf dem Weg zurück höre ich wie auch schon auf dem Hinweg endlich mal wieder deutsche Musik. Silbermond mit ihren letzten zwei Alben. Und sehe wieder die children crossing-Schilder an der Schule. Die Australier scheinen das konsequent an jeder Schule durchzuziehen.

Bushaltestelle

Ebenso konsequent scheinen die australischen Behörden eine Angst vor Golfspielern auf jeglichen Rasenflächen zu hegen.

Spielplatz mit Golf-Verbot

Rasenfläche mit Golf-Verbot

Spielplatz

Antennen finden sich hier auf jedem Hausdach - die meisten sind einfache Empfangsantennen für Radio und Fernsehen.

Antennen

Der Goulburn River gab dem Goulburn Valley seinen Namen:

Goulburn River

Und zweistöckige Häuser gibt es in Australien auch - wenngleich auch nur ganz selten.

Dafür sind ungewöhnliche Bäume hier gar nicht so ungewöhnlich.

Blumen am Wegesrand

so kommt der Strom in australische Haushalte

Eine sehr praktische Stelle, um Hausnummern gut sichtbar anzubringen, stellen die Bordsteine dar:

Hausnummern am Straßenrand

alter Baum in Shepparton

Die lokale Radiostation:

="Radiostation

Der “Kiosk an der Ecke”:

Kiosk 'an der Ecke'

Zurück zu Hause lese ich ein wenig, bis Charlotte kommt. Doch sie muss gleich wieder weg. Ich gucke “The Terminal“, einen der Filme aus der privaten DVD-Sammlung. Den wollte ich schon immer mal sehen und außerdem fällt es leichter, einen Film auf Englisch zu verstehen, wenn man bereits eine grobe Ahnung von der Handlung hat.
Außerdem genehmige ich mir noch eine 4-Minuten-Dusche, jetzt, da niemand da ist.

Als Charlotte am späten Nachmittag wieder nach Hause kommt, teilt sie mir mit, dass die Schule hier, das Wanganui Secondary Collage, keinen Platz mehr hat, weitere Austauschschüler aufzunehmen. Man habe daher die Taktik geändert und werde erst eine Familie, dann die passende Schule suchen.

Aber Charlotte muss wieder los (heute sei ein “In-Out-Day”) und ich sehe “just married“, einen insgesamt eher schwachen Film, der eher amüsiert als überzeugt.
Zwischendurch sitze ich immer mal wieder am Computer und blättere in meinen Amateurfunk-Unterlagen.

Abends kommt Grant nach Hause und ich begleite ihn, nachdem ich mich für einen Moment dagegen sträubte, bei seinem Abendspaziergang mit dem Hund.

Als wir wieder kommen, setzt sich Charlotte an den Computer. Sie chattet mit Judith. Judith war vor drei Jahren hier als Austauschschülerin für zehn Monate in der Familie. Als Charlotte etwas isst, habe ich die Möglichkeit, auch ein paar Worte mit ihr zu wechseln. Ich befrage sie zu den Reisen, die SCCE jedes Jahr anbietet. Judith hat beide mitgemacht, würde mir aber eher diejenige nach Central Australia empfehlen. Und ich frage sie, wie sie sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zurechtgefunden hat. Ein paar Eingewöhnungsschwierigkeiten habe es wohl gegeben, meint sie, vor allem im Freundeskreis.

Heute ist Mittwoch und daher ist heute um acht Uhr die Lokalrunde der Amateurfunker auf deren 2-Meter-Repeater. Ich höre nur einige Minuten zu, dann nutze ich die Chance und begebe mich noch einmal an den Comuter. Alle anderen sind nämlich gerade aushäusig oder in ihren Zimmern.

Um halb neun beginnt eine neue Folge von Dr. House. Ich schaue nebenbei zu, drei Sachen auf einmal und das auch noch in zwei verschiedenen Sprachen sind nämlich nicht so ganz einfach zu händeln.
Als House zu Ende ist, gehe ich ins Bett. Viertel vor zehn.

Dookie

Dienstag, den 24. Juli 2007

Heute nimmt mich Charlotte mit zur Arbeit. Sie arbeitet nicht, wie ich am Freitag angenommen habe, in der Bücherei in Shepparton, sondern in einer Bibliothek an einer Universität für Agrarkultur in Dookie.
Wir kommen dort um kurz vor neun Uhr an, Charlotte schließt alles auf und ich widme mich meinem Buch. Vorerst zumindest. Die Hauptfiguren in ihm flüchten vor einer Schlange, eine in einen Bach. Die anderen weisen sie darauf hin, dass das kein Schutz sei. Ich nehme mir vor, unbedingt herauszufinden, ob Schlangen schwimmen können. Man weiß ja nie.
Dann helfe ich Charlotte, indem ich Computerausdrucke in laminierte Regalbeschriftungen verwandle. Und ich zeige ihr, wo Schiffdorf liegt.
Den restlichen Vor- und auch den Nachmittag verbringe ich in der Bibliothek und auf dem Campus - einem Campus der anderen Art. Überall sind landwirtschaftliche Geräte. Die Größe der Weiden werden in Ar gemessen und eine 4,5 Ar große Weide scheint da noch zu den kleineren zu gehören.
Ich mache Fotos von der Landschaft und von einer Schafherde, bis meiner Kamera der Saft ausgeht. Ersatzakkus habe ich nicht dabei.

Berge

an dieser Straße liegt das Dookie College

Bäume auf dem Campus des Dookie Colleges

Vorsicht, kreuzende Kuhherden!

Ameisen wollen hoch hinaus

Schafherde

Zurück in der Bibliothek lese ich Zeitung. Und wieder fällt mir auf, dass immer, wenn es hier in Australien um Wasser geht, die Rede von Kilo-, Mega- oder ganz selbstverständlich auch Gigalitern ist.
Zu Mittag teilen Charlotte und ich uns ein kleines Nudelgericht. Da wir beide aber auch noch ein Brötchen haben, ist das mehr als ausreichen. Als Dessert hat Charlotte zwei Becher eingepackt, die ich zunächst für einfache Joghurts halte. Dann stellt sich aber heraus, dass es sich um Aprikosen und um Fruchtsalat handelt, beide von Weightwatchers… Ich esse den Fruchtsalat. Kalt, sehr kalt, aber lecker.
Dann widme ich mich einem Lehrbuch über Statistik. Und verstehe endlich einmal, wie man boxplots lesen muss.
Charlotte bietet mir einen Computer mit Internet an und ich kann nicht wiederstehen. Ich lade einige Fotos in meinen Blog. Dann ruft Jerren an. Wir vereinbaren, dass ich ihn am Samstag besuchen komme. Er muss zwar arbeiten, aber zwischen neun und zwölf Uhr habe er Zeit und ich sei willkommen.
Als ich am Computer Schluss mache, - zugegebenermaßen nach mehr als 30 Minuten - ist es kurz nach vier. Charlotte spricht mit mir über die Reisen, die Southern Cross anbietet. Sie empfiehlt mir die Reise nach Zentralaustralien. Auf ihr würde ich einen guten Eindruck von der Weite Australiens bekommen. Das Great Barrear Reef hingegen, die Hauptattraktion auf der Reise nach Queensland sei zu dieser Zeit eher unattraktiv. Und der ‘Central Australia-Trip’ würde sich auch schon deshalb anbieten, weil er am Ende meines Aufenthalts stattfindet.
Die letzten Studenten verlassen gegen halb fünf die Bibliothek, Charlotte möchte um zehn vor schließen. Um zwanzig vor stiehlt sich eine vermutlich Studentin einer anderen Universität hinein, ist aber pünktlich wieder draußen. Charlotte kauft sich ein Eis und gibt auch mir eines aus.
Auf dem Weg nach Hause bietet sich uns im Sonnenuntergang ein wundervoller Anblick. Als wir an einer Pferdeherde vorbeifahren, ertappe ich mich selbst, wie ich die Pferde zähle, leise, für mich. Auf Englisch.

Zum Abendessen gibt es Lasagne. Leider sind die Nudelplatten, mein Lieblingsteil einer jeden Lasagne, nicht alle weichgekocht. Viel zu viele für meinen Geschmack sind viel zu hart. Aber das Hack und die Sauce schmecken und ich werde satt.
Grant fährt Rushlee in die Schule, anscheinend stehen noch Proben für die Aufführung an. Er sagt, er nehme Anger mit. Wörtlich sagte er: “I’ll just take Anger for a drive”…

Abends, als alle zurück sind, gucken wir NCIS. Ich kenne die Folge schon, bin aber immer noch am Überlegen, was ‘Folge’ auf Englisch heißt…
Obwohl ich heute Mittag ein kleines Nickerchen abgehalten habe, werde ich langsam müde und außerdem habe ich ein Bedürfnis nach ein bisschen Ruhe und so gehe ich um halb zehn zu Bett. Eineinhalb Stunden später als noch vor einer Woche.


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