500 hinter und tausende vor mir

Schließlich ist der Koffer endgültig voll, die letzten Sachen sind hastig im Handgepäck verstaut. Mit kurz geschnittenen Haaren geht es kurz vor neun Uhr auf den Weg. Während der Fahrt fällt mir auf einem neuen Autobahnabschnitt auf, dass die neu aufgemalten Mittelstreifen kleiner sind als ihre Vorgänger. Scheinbar scheint hier ein gehöriges Einsparpotential zu liegen…
500 Kilometer liegen vor mir, aber mein Vater fährt schnell, ich schlafe ein wenig und wir sind pünktlich am Haus der Jugend. „Muss ich noch mit reinkommen?“ – „Wenn du möchtest“, ein kurzer Abschied und dann ist er weg. Weg für eine lange Zeit.
Drinnen sammeln sich dutzende Austauschschüler, fast ausschließlich alle mit mindestens ihren Eltern. Jeder kriegt einen Aufkleber mit Namen, Programmdauer und Zielflughafen und dann beginnt für mich das Warten. Um mich herum werden die anderen verabschiedet, mit ein paar Minuten Verzögerung geht es dann in den Keller in zwei Seminarräume (getrennt nach Melbourne/Adelaide und allen anderen Zielflughäfen). Einige Stunden Vorbereitungsseminar stehen mir bevor, während es draußen – wie könnte es anders sein – regnet.
Im Nachhinein stellt sich heraus, dass das Seminar zum größten Teil ähnlich ergiebig war wie das Elternseminar. Und auch, dass es tatsächlich Leute gibt, die zwei Handgepäckstücke mitführen – die beide 7 kg wiegen -, sich dann versichern möchten (noch immer erstaunt über die Begrenzung auf ein Stück), ob die Laptoptasche darüberhinaus extra mitgeführt werden dürfe. Ich scheine mich hingegen mit meinen „nur“ gut 2 kg Übergewicht im Koffer noch am unteren Ende der Skala zu befinden. Die wesentlichen Inhalte des Seminars bestehen aus „vermeidet Missverständnisse“, „schließt Kompromisse“ und „redet miteinander“. Auch Nachfragen zu politischen Orientierungen (beispielsweise George W. Bush gegenüber) oder zur Begrüßungszeremonie am Flughafen sind an der Tagesordnung.
Dann gibt es Abendessen, eine letzte Mahlzeit in Deutschland (und das in einer Jugendherberge). Auf dem Weg dorthin schnappe ich die ersten Ängste einiger Austauschschülerinnen auf, die sich sehr schön in folgendem Zitat wiederspiegeln: „Oh, ich hab so ’ne Angst, am Montag ungeschminkt in die Schule zu gehen“. Das Essen ist erstaunlich gut. Ich bekleckere mein Quantas-T-Shirt, behalte es aber vorerst an. Später will ich es gegen das STEP IN-T-Shirt tauschen.
Um viertel nach sieben geht dann der Bus in Richtung Flughafen. Dort angekommen, versperren wir erst einmal mit unserer Gruppe die Fahrbahn vor dem Eingang des Terminals, bis wir dann hinein drängen und uns am Check-in versammeln. Im Computer gibt es einen Fehler mit den Flügen und daher haben die Mitarbeiter von Quantas mit dem Eintippen der gesamten Flugdaten wesentlich mehr zu tun als damit, etwaiges Übergepäck zu berechnen. Im Anschluss versammeln sich alle zum Gruppenfoto und dann geht es durch die Passkontrolle, wo sich die STEP IN-Mitarbeiterinnen zwangsläufig verabschieden müssen. Von dort dann so langsam durch die diversen Kontrollen zum Gate, was nicht so ganz einfach ist, weil eine kuriose Umleitung dafür sorgt, dass wir ein wenig verwundert hin und her irren. Da wir aber anscheinend nicht die ersten sind, weist uns ein freundlicher Flughafenmitarbeiter den Weg.
Da man uns versprochen hatte, am Gate Steckdosen zu finden, bin ich der erste, der dort aufläuft und sich schon eine ganze Zeit lang vor dem Einlass an den Schalter stellt. Ich bin auch einer der ersten drinnen – nur Steckdosen, die gibt es leider nicht… Auch zum Boarding bin ich einer der ersten, dann allerdings macht man unsere Mitreisenden und uns darauf aufmerksam, dass nach Sitzreihen geboarded wird – also nochmal warten. Zehn Minuten später geht es dann endlich in die Maschine und da die Plätze der Steppies – entgegen früherer Angaben von Quantas, aber wen wundert das schon – nicht an einem Block gebucht sind (und ich mich damit frage, warum ich keinen Sitzplatz habe reservieren können), wird fleißig herumgetauscht, damit jeder bei seinen Freunden sitzen kann. Ich setze mich zwei Reihen weiter nach vorne, während mein ursprünglicher Sitzplatz noch zwei weitere Zwischenbesitzer hat, bevor sich ein Junge darauf niederlässt.
Der Flug nach Singapur verläuft sehr ruhig, kein Getränk schwappt über. Ich schlafe von den rund 12 Stunden, die wir in der Luft sind, wohl um die 6 oder 7 Stunden. Dann heißt es vorerst raus aus der Maschine, es wird aufgetankt. Alles muss mitgenommen werden – was bleibt, wird konfisziert.

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Eine Reaktion zu “500 hinter und tausende vor mir”

  1. Kathi

    awwwww ich werde ja kein einziges mal erwähnt du hast mich wohl nicht lieb ahhhhhhhhhhhhh *heul*

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